Martin Liebscher, Destinations, 1994-2015

 

Der Fluggasttunnel, genau 288 Meter lang. Laufbänder rechts und links des Mittelgangs. Mit ihrer Hilfe beschleunigen wir den Schritt oder bewegen uns stehend weiter. Nach zwei Minuten ist alles vorbei. Was wir mitnehmen sind Eindrücke wie aus einem Film, Szenen, die uns daran erinnern, dass wir die Zeit heute nicht mehr als etwas gleichmäßig Fließendes, sondern als etwas Rhythmisches erleben. Bei dieser fotografischen Reise um die Welt wird der Blick derart verwirbelt, dass er gleichermaßen von rechts nach links, von oben nach unten und in jeweils umgekehrter Reihenfolge wandern muss. Diese Städte und Regionen, die auch vom Frankfurt Airport angeflogen werden können, verschmelzen zu einem großen Ganzen. Den ganz und gar nicht auf Klarheit erpichten und über weite Strecken durch Unschärfen bestimmten, leicht über- oder unterbelichteten Aufnahmen ist eine spezifische Atmosphäre eigentümlich. Diese ist derart mit Informationen angereichert, dass es trotz aller Verfremdung zumeist gelingt, Ort und Zeitpunkt der Aufnahme annähernd zu bestimmen.

Die Fotografien von Martin Liebscher sind nicht wiederholbar, weil in ihnen der Zufall assistiert. Seine auf rund 1.000 Quadratmeter dargebotenen Panoramen schildern auf poetische Weise das Lebens als ein mitreißendes. Hier wird eine Welt veranschaulicht, in der es scheinbar kein Halten und keinen Stillstand mehr gibt.

 

Andreas Bee